The art of glass :
Autor Merret, Christopher ;
Titel The art of glass :
Untertitel wherein are shown the wayes to make and colour glass, pastes, enamels, lakes, and other curiosities
Publikationsjahr 1662
Publikationsort London
Verlag/Herausgeber Printed by A.W. for Octavian Pulleyn
Illustrationen Ja
Beschreibung

Antonio Neri ( 1576 – ca. 1614 ) stammt aus Florenz und wird vor 1601 zum Priester ordiniert. Er lernt die Kunst des Glasmachens im damaligen Zentrum dieses Gewerbes, in Murano bei Venedig. 1604–1611 ist er in Antwerpen nachweisbar, wo er in Antwerpen in der Fabrik des Filippo Gridolfi einen venetianischen Glashersteller traf (Isaaco Hollando ?), der ihm weitere Anweisungen gab (siehe Buch 5), hauptsächlich zu smalti und der Herstellung des steinimitierenden Calcedons. Neri befasst sich hauptsächlich mit der chemischen Zusammensetzung des Glases, mit der Herstellung von Kristallglas und dem Färben von Glas, wovon viele der Anweisungen aus dem 16. Jahrhundert stammen dürften. Dennoch ist seine Schrift äusserst wichtig für die rasche Ausbreitung des glastechnologischen Wissens in Nordeuropa. Auch der Hof der Medici in Florenz wurde von Schriften Neri’s stimuliert und liess Forschungen zur Glastechnologie unternehmen. Um die 50 Rezepte Neri’s zur Glastechnologie werden von > Brunoro 1645 übernommen. Knapp 20 Jahre später wird Neri’s Traktat von Christopher Merret ins Englische übersetzt und durch einen Kommentar ergänzt. 1679 veröffentlicht dann der deutsche Glastechnologe Johann Kunckel seine Ars vitraria experimentalis (> Kunckel 1676f.), in die der Text von Neri fast wörtlich einfloss, den er mit seinen kompetenten Kommentaren ergänzt.

Neri’s Text ist in 7 Bücher unterteilt. Buch 1 bespricht die Herstellung von Glas aus Soda (soda hispanica oder besser mit der Asche der levantischen Rochetta, aus Syrien, Palestina oder Ägypten) und Sand, mit verschiedenen Anweisungen, um ein möglichst nicht gefärbtes durchsichtiges Glas zu erhalten. Für die Herstellung eines beständigeren und kristallklaren Kristallglases beschreibt er geeignete sehr harte Steinarten aus dem Fluss Ticino, die zur Glasgrundmasse fritta crystalli, in Italien auch bollito genannt, verarbeitet werden; Anweisungen zur Herstellung verschiedener pigmentierender Schwermetalle zur Färbung der Gläser, z. B. der zaffera (Smalte), Beigabe von Magnesium für schwarzes oder weisses Glas, Herstellung des spanischen Ferretum (grünes Kupferacetat); des crocus martis (Eisen=Crocus, oder croco), zur gelben-blutroten Färbung; Blau-Grünfärbung durch zitterndes oder calciniertes Kupferblech (dtsch. Knittergold, auch Hammerschlag oder ital. tremolante oder orpello genannt) und durch zaffera, der Grundmasse für das blaue Pigment Smalte.

Das 2. Buch unterrichtet der Herstellung von steinimitierendem Glas wie Calcedonier, Achat oder orientalischem Jaspis, dazu die Zubereitung von Aqua fortis (Scheidwasser, Salpetersäure) und aqua regias (Michung aus Salpetersäure und Salzsäure); calzinieren (Oxidation) von Weinstein in der Verwendung einer roten Farbe (rosichiero) zur Herstellung von künstlichen Edelsteinen. Das 3. Buch gibt Anweisungen zur weiteren Herstellung von gläsernen Imitationen von Granaten, Amethysten, Saphiren und Bergkristall; Glasfärben in einer schwarzen seidenen Farbe, dem Glas eine goldene Farbe zu geben und das Glas milch- oder perlenfarbig zu färben. Das 4. Buch bespricht die Herstellung von Bleiglas, dann Bleioxid zur Herstellung einer grünen Glasfarbe; Glasimitation von Topas, Opal und Saphir. Weiter eine blaue Farbe, Fleischfarben und Färben des Bergkristalles. Imitation des Lasursteines (Lapis Lazuli) und seinen feinen Pyritadern mit Smalte und der Zusetzung von Goldblättchen. Das 5. Buch unterrichtet weiter die Imitation in gefärbtem Glas von Schmucksteinen wie Smaragd, Topas, Chrysolit, Hyazinth, Granat, Saphir und Beril, die die natürlichen Edelsteine an Schönheit, aber nicht an Härte übertreffen. Dabei wird in der Herstellung auf eine neue chymische Manier eines Isaaco Hollando verwiesen. Das 6. Buch lehrt die Herstellung von Emails (Encausten, Smalten oder Amausen). Das Basismaterial für Emails sind Bleioxid, Zinnoxid und fritta crystalli. Dazu werden Anweisungen für jegliche Färbungen, wie milch-weisses Schmeltzglas (lattimi) gegeben. Das 7. Buch beschreibt die sehr wichtigen und ausführlichen Anweisungen Neri’s zur Herstellung von Farblacken ( mit Bezug auf > Birelli 1601 ). Neri beschreibt einführend die Extraktion der Farbstoffe mittels einer Lauge (Glasmacher Soda), dann die Reduktion der Masse unter Feuer mit einer Beigabe von aluminis de rocha (Alaun) zur Fällung. Durch unechte Verlackung setzt sich die Masse unter mehrmaligem Abgiessen mit frischem Wasser am Boden ab. Dann Trocknung und Verwendung entweder für Maler oder Glasmacher. Als Lacke werden genannt: Gelber Lack aus Pfriemenkraut-Blumen; Lacca aus Mohnblumen und Blauenschwärtel; Kermesin-Lacca (Karmesin) aus Kermesin-Beeren (Kermes) für die Maler (Kap. 117); Lack aus Brasilien-Holtz und der Färber-Röthe (Wurzelkrapp) zu extrahiren;  einen roten Lack mit Crocus martis um auf Gold zu arbeiten (ital. rosichiero);  verschiedene rosa oder rote Lacke, meistens mit Zugabe von Crocus martis (Eisenoxid) oder Hammerschlag; Herstellung von Kupfer-Vitriol für eine blaue Farbe; endlich eine Beschreibung zur Spiegelherstellung.

Ausgaben
Ital. Ausgaben: Bei Rabbuiati, Firenze 1661 (2. Ausgabe, mit Christopher Merret) | Appresso Giacomo Batti, Venetia 1663 | Moderne ital. Ausgabe: a cura di R. Barovier Mentasti, Il Polifilo, Milano 1980.
Lat. Ausgaben: 1. lat. Ausgabe, mit Christopher Merret: De arte vitraria, et in eosdem Cph Merreti observationes et notae; in quibus omne gemmarum artificialium, encaustorum et Laccarum artificium explicatur; annexa est historia vitri Stillaticii. A. Frisius, Amsterdam 1668 (ill.; Ex.: Basel UB: Js VIII 1) | idem, apud Andream Frisium, Amstelodami 1669 ( mit Christopher Merret; ill.; Ex.: Bern UB: ZB Rar alt 61) | Apud Henr. Wetstenium, Amstelodami 1686 ( mit Christopher Merret ). Mod. Ital. Ausgabe: A cura di F. Abbri, Giunti Gruppo Editoriale, Firenze 2001.
Erste dt. Ausgaben: Sieben Bücher: Handlend von der Künstlichen Glass- und Crystallen Arbeit / Oder Glaszmacher-Kunst, und alle demjenigen / was dazu gehöret. Sambt denen / darüber von Christoph Meret ... gefertigten Aussbündigen Anmerkungen ... Wie ingleichen auch ein Bedencken / Ob und welchergestalt wohl könne die Malleabilität dem Glase ( das ist: dass es sich hämmern lassen möge ) beybracht werden / mit eingeführet ist. Verdeutscht durch Friedrich Geisslern. Chr. Uhmann Wittwe für J. Gross, Frankfurt u. Leipzig 1678.
Franz. Kompositausgabe (eine erweiterte Ausgabe von Kunckel 1679 (> Kunckel 1676f.): Art de la verrerie / de Neri, Merret et Kunckel; auquel on a ajouté le „Sol sine veste“ d’Orschall; „l’Helioscopium videndi sine veste chymicum“, le „Sol non sine veste“, le chapitre XI du „Flora saturnizans“ de Henckel, sur la vitrification des végétaux; un mémoire sur la manière de faire le saffre; le Secret des vraies porcelaines de la chine & de Saxe.... ouvrages... traduit de l’allemand par D. Chez Durand: chez Pissot, Paris 1752 (ill.; Ex.: Bern UB: ZB Römisch V 23 : 1).
Engl. Ausgabe: Neri, Antonio: The arts of glass, wherein are shown the wayes to make and color glass, pastes, enamels, lakes and other curiosities / written in Italian by Antonio Neri…. Printed by A.W. for Octavian Pulleyn, London 1662 (engl., erweiterte Übersetzung von Christopher Merret); Reprints: The Society of Glass Technology, Sheffield 2001 / Heiden & Engle, Hubbardston (MA) 2003 – 2007; ill.; Ex.: Bern UB: KMU QA 396).
Erstausgabe De arte vitraria distinta in libri sette del R. P. Antonio Neri Fiorentino. , Stamperia de’ Giunti (1612) von Neri, Antonio
Bezug zu anderen Quellen
Referenzen
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