Lucca-Ms
Autor Anonymus ;
Titel Lucca-Ms
Untertitel Compositiones ad tingenda musiva, pelles et alia, ad deaurandum ferrum, ad mineralia, ad crysographiam, ad glutina quaedam conficienda, aliaque artium documenta, ante annos nongentos scripta.
Publikationsjahr 796 - 816
Publikationsort
Verlag/Herausgeber
Illustrationen Nein
Beschreibung

( Ms. 490 der Kapitularsbibliothek ( Biblioteca Capitolare Feliniana ) in Lucca ( = Lucca-Manuskript, ca. 796–816 n. Chr. )

Das Lucca-Ms. ist auch bekannt als Compositiones variae; der Begriff compositiones ad tingenda musiva stammt von Muratori 1739 und wird von Hedfors 1932 weitergetragen. Die Rezeptekompilation soll teilweise aus einem spanischen Text des Jahres 725 stammen, Teile zeigen Korrespondenz zum Ms. 17 Sélestat ( 6.–9. Jh. ) aus den Mappae Clavicula, weitere Teile stammen aus einer früheren Übersetzung um 650 eines noch älteren griechischen Textes mit Korrespondenz zu den Papyri Holmiensis und Leydensis aus dem 3. Jahrhundert. Weitere Korrespondenz zum Codex matritensis 12. Jh. Andere Teile des Inhaltes können Theophrastus, Dioscurides, Plinius oder Vitruv zugeschrieben werden. Ergänzt wird das kompilatorische Material durch italienische mündliche Tradition und eigene Erfahrungen des Schreibers. Das Kompilat wird wahrscheinlich gegen das Jahr 800 in Italien zusammengestellt und ins Lateinische übersetzt.

            Trotz oder dank der heterogenen Herkunft der Rezeptekompilation beinhaltet das Traktat einen guten Überblick über das frühmittelalterliche Kunsthandwerk in den romanischen Ländern. Die « Anweisungen für künstliche Farben » bestehen aus 157 Rezepten, die sich auf das Verhütten von Metallen, deren Verarbeitung, Färben und Vergolden; Niellotechnik, Hartlöten von Gold und Silber, Färben einer Zinnfolie mittels einer Tinktur ( aus Safran + Auripigment + Gummi + Leinöl ) beziehen. Glas wird hergestellt durch Schmelzen von « Nitron » ( Soda ) und Sand, das gefärbt wird durch einen Farbzusatz wie Zinnoxid, Bleiglätte oder Kupferoxid. Weiter werden besprochen: Chrysographie ( mit Eiklar als Bindemittel ), Färben von Fellen, Hölzern und Bein, dann Färbung von künstlichen Mosaiksteinen, Färben von Kalktünche ( ! ) , deren Vergoldung, Versilberung und Polierung.

            Weiter wird geschrieben über die Herstellung von Farbmitteln ( u.a. mit Rinden und Früchten von Nussbäumen, Ulmen und Eichen, Blüten von Veilchen, Mohn, Lein und blauen Lilien; dann: Grünspan, Bleiweiss, Mennige, grüne Erde, Auripigment, Bleiglätte, verschiedene Farbausmischungen sowie erster Beleg für die Herstellung von künstlichem Zinnober ) und über einige Rezepte zu Blattmetallen mit Auflegetechniken und Herstellung von verschiedenen Leimen ( Fisch-, Kasein- und Hautleim; wichtig: mit detaillierter Beschreibung ihrer Herstellung und Verwendung für Stein und Holz ). Erste detaillierte Angaben über die maltechnische Verwendung von Öl ( z.B. Goldlack: Heisses Leinöl + Pflanzengummi + gelbes Farbmittel, im Gebrauch zum Überziehen von Zinnfolie zur Imitation von Blattgold ). Erwähnung von gekochtem Leinöl mit Zugabe von Harzen als Überzug über Farben ( = Mischung mit Massangaben von Leinöl mit Terpentin, Galbanumharz, Lärchenharz, Weihrauch, Myrrhe, Mastix, Firnis, Kirschgummi, Harz von Pappelblüten, Mandelbaumgummi und Pinienharz ), oder mit Gummen als Öl / Gummi-Emulsion als Vergolderbeize. Weiter Herstellung von Pergament, Zubereitung von Bronze und Erwähnung von Holz, das dunkelt, wenn es ins Wasser gestellt wird. Einige Rezepte sind klar von einem Praktiker mit präzisen Mischungsangaben geschrieben.

            ( zus. Ref.: Berger 1897, Pellizzari 1915, Lippmann 1919, Burnam 1920, Schiaparelli 1924a, Schiaparelli 1924b, Johnson 1935a, Alexander 1969–70, Petrucci 1973, Brunello 1974, Straub 1984, Bordini 1991, Munoz Vinas 1998, Brachert 2001, Clarke 2001 )

Ausgaben Erstmals erwähnt bei Mabillon / Germain: Museum Italicum. Luteciae Parisiorum ( Paris ) 1687 | Erstmals publiziert von: Muratori, L. A.: Dissertatio Vigesimoquarta ( XXIV ). De artibus Italicorum post inclinationem Romani Imperii. In: Antiquitates Italicae mediiaevi II, Milano 1738–42, Cols. 365–388.
Frz. Ausgabe: Berthelot, Marcelin: Chemie du moyen âge. Paris 1863.
Dt. Ausgaben: In Auszügen bei Berger, Ernst: Quellen und Technik der Fresko-, Öl- und Temperamalerei des Mittelalters. München 1897 ( Neudruck 1912, Walluff Nendeln 1973, S. 199–259 ) | Hedfors, Hjalmar: Compositiones ad tingenda musiva. Textausgabe und dt. Üs. mit philologischer Erklärung der technischen Fachbegriffe. Zusätzlich mit einer Diskussion der Beziehung zu u.a. Theophilus, Heraclius und den Leyden und Stockholm papyrii. Almquist & Wiksells Boktryckeri – A. B., Uppsala 1932.
Engl. Ausgabe: Johnson, R. P.: The Compositiones variae from Codex 490, Biblioteca Capitolare, Lucca, Italy. In: Illinois Studies in Language and Literature XXIII ( 3 ), 1939 ( engl. Text in Auszügen ).
Svennung, Josef Gusten Algot: Compositiones Lucenses. Studien zu Inhalt, Text, Kritik und Sprache. Uppsala 1941 ( mit ganzem Text ).
Bezug zu anderen Quellen
Schlagworte
Amalgamvergoldung (Malerei) Anstrichtechniken (Architektur) Anthocyanine (Farbmittel) Argyrographie Auri petrum Auripigment Balsame Bister (Farbmittel) Blattgold Blattkupfer Blattzinn Blei Bleigelb Bleiweiss Bronze Buchmalerei Chrysographie Eichenrinde (Farbmittel) Eiklar (Architektur) Eiklar (Bindemittel und filmbindendes Material) Einlegearbeit (Architektur) Elfenbeinbemalung Elfenbeinfärbung (Pigmentierung) Emulsionen Tafelmalerei Farbige Tinten (Schriftgut, Zeichnung und Druckgrafik) Farbmittel (Architektur) Farbmittel Farbmittel Buchmalerei Färberscharte Glasfärbung (Pigmentierung) Glasherstellung Gold Goldamalgam Grünspan Gummi (Bindemittel und filmbindendes Material) Gummi amygdalorum Gummi cerasorum Gummi galbanum Hautleime Holzbildträger (Malerei) Holzfärbung Holzzubereitung (Skulptur und Plastik) Holzzubereitung (Malerei) Indigofarbstoffe Kalk (Bindemittel und filmbindendes Material) Kalkmalerei (Architektur) Kasein (Bindemittel und filmbindendes Material) Kasein (Architektur) Katechu (Bindemittel und filmbindendes Material) Keramikfeuervergoldung Kermes Kitte Krapplack (Farbmittel) Kreuzbeeren (Farbmittel) Lederdruckverfahren Leinöl Lüstermalerei Malereiüberzüge Maltechniken (Architektur) Maltechniken (Schriftgut, Zeichnung und Druckgrafik) Massivmetallbearbeitung Mastix Messing Metallapplikationen (Textil und Stoffe) Metallapplikationen Holz (Skulptur und Plastik) Metallapplikationen Leder Metallapplikationen Stein Metallapplikationen Wandmalerei Metallauflagen Eisen Metallauflagen Massivmetalle Metalldrahtherstellung Metallfärbung Metallgewinnung Miniaturmalerei Minium Mordentvergoldung Mosaik Mosaikbausteinefassung Muschelgold Natürliche Harze (Bindemittel und filmbindendes Material) Olivenöl Papyrus (Schriftgut, Zeichnung und Druckgrafik) Pergamentbildträger (Schriftgut, Zeichnung und Druckgrafik) Pergamentherstellung (Schriftgut, Zeichnung und Druckgrafik) Purpur Quecksilber Safran (Farbmittel) Schlämmen Schöllkraut (Farbmittel) Silberimitation Stein (Prävention, Konservierung und Restaurierung) Steinfassung Steinöl (Bindemittel und filmbindendes Material) Stuckornament (Architektur) Tempera (Bindemittel und filmbindendes Material) Temperamalerei (Architektur) Terpentinöl Trockenöl Waid (Farbmittel) Wandmalerei Wassergoldgrund Wau (Farbmittel) Weihrauch (Bindemittel und filmbindendes Material) Zink Zinn Zinnober Öle (Bindemittel und filmbindendes Material) Ölfirnisse (Malerei) Öllackfirnisse (Mobiliar) Öllackfirnisse (Malerei) Übertragungsverfahren Holz (Skulptur und Plastik) Überzüge Holzfassung (Skulptur und Plastik) Überzüge Pergament Überzüge Tafelmalerei
Feedback
Wissen Sie mehr als wir? Haben Sie einen Fehler entdeckt? Gerne nehmen wir ihre Informationen in unsere Datenbank auf.